Florian Ocenasek

Prototyping Vienna

Lehmputze und Akustikpaneele aus dem Tegel, den eine Stadt ausgräbt und wegwirft.

Jahr

Sommersemester 2025

Studio

Act of Building, Act I · TU Wien

Mit

BC architects & studies & materials

Team

Eva Buder, Elisa Geiser, Florian Ocenasek, Marlies Weidinger

Ergebnis

1:1-Prototyp, ausgestellt

Betreuung

Thomas Amann, Prof. Tina Gregoric

Material

Wiener Tegel aus dem Aushub, Japanischer Staudenknöterich, Schilf, Ziegelsplitt, händisch aufgetragener Putz

Lehmputze und Akustikpaneele aus dem Tegel, den eine Stadt ausgräbt und wegwirft.
Der Prototyp in der Ausstellung
Schrägansicht des aufgeschnittenen Dach- und Wandaufbaus, Ziegel, Holzwolle und Holz freigelegt
Schnitt vom Dach zur Wand, Ziegel und Holzwolle freigelegt
Nahaufnahme des Traufanschlusses, wo Schilfdeckung, Holzwolledämmung, Putz und Holzbalken zusammentreffen
Detail

Wien gräbt beim U-Bahn-Bau jeden Tag 4000 Tonnen brauchbaren Tegel aus und entsorgt fast alles davon. Vielen anderen ökologischen Materialien geht es genauso. Wir haben in diesem übersehenen Stoffstrom gearbeitet und Abfall als Möglichkeit gesehen, nicht als Problem.

Die Frage war, wie diese Materialien mit einfachen Low-Tech-Mitteln zurück in die Baukultur der Stadt finden können. Wir haben uns für zwei Anwendungen entschieden, Innenputze aus Lehm und Akustikpaneele, gemacht aus Wiener Tegel aus dem Aushub, invasivem Knöterich und Schilf sowie Ziegelsplitt.

Vier Rohmaterialien in Nahaufnahme, nasser grauer Tegel, gehäckselter Knöterich und Schilf, trockener Sandlehm und Ziegelmehl
Materialien
Ein Haufen Ziegelsplitt mit Kübel und Rechen, gesammelt in der ganzen Stadt
Ziegelsplitt sammeln

Über 20 Putzrezepturen kamen auf Probeplatten. Mehr Tonanteil ließ sich besser verteilen, bekam beim Trocknen aber Risse, und genau das haben gehäckseltes Schilf und Knöterich behoben. Ziegelsplitt brachte Abriebfestigkeit und eine wärmere Farbe. Wie der Lehm aufbereitet wurde, war genauso wichtig wie das, was hineinkam, denn nass, getrocknet, zerkleinert und gesiebt ergab jeweils eine andere Oberfläche.

Raster aus Putzproben in verschiedenen Farben und Texturen
Putzrezepturen im Test
Explosionsaxonometrie des Dach- und Paneelaufbaus, Schicht für Schicht beschriftet
Axonometrie des 1:1-Prototyps

Eingebaut haben wir sie in ein 1:1-Mock-up eines typischen Gründerzeit-Dachbodens. Nichts davon ist ein neues System. Es sind bewährte Methoden, angepasst an den Überschuss von heute, kreislauffähig, emissionsarm und rückbaubar.

Das Mock-up im Bau, Probepaneele an Paletten gelehnt vor dem Holzrahmen
Prototyp im Gründerzeit-Dachboden

Danke an Thomas Amann, der dieses Projekt initiiert und begleitet hat, an Bregt Hoppenbrouwers, Henri Uijtterhagen, Laurens Bekemans, Ken De Cooman und Julie Moraca von BC architects für ihre Anregungen und ihre Kritik, und an Wienerberger und Wiener Linien für die Unterstützung der Forschung. Die drei Fotos des fertigen Prototyps sind von Paul Sebesta.