Prototyping Vienna
Lehmputze und Akustikpaneele aus dem Tegel, den eine Stadt ausgräbt und wegwirft.



Wien gräbt beim U-Bahn-Bau jeden Tag 4000 Tonnen brauchbaren Tegel aus und entsorgt fast alles davon. Vielen anderen ökologischen Materialien geht es genauso. Wir haben in diesem übersehenen Stoffstrom gearbeitet und Abfall als Möglichkeit gesehen, nicht als Problem.
Die Frage war, wie diese Materialien mit einfachen Low-Tech-Mitteln zurück in die Baukultur der Stadt finden können. Wir haben uns für zwei Anwendungen entschieden, Innenputze aus Lehm und Akustikpaneele, gemacht aus Wiener Tegel aus dem Aushub, invasivem Knöterich und Schilf sowie Ziegelsplitt.


Über 20 Putzrezepturen kamen auf Probeplatten. Mehr Tonanteil ließ sich besser verteilen, bekam beim Trocknen aber Risse, und genau das haben gehäckseltes Schilf und Knöterich behoben. Ziegelsplitt brachte Abriebfestigkeit und eine wärmere Farbe. Wie der Lehm aufbereitet wurde, war genauso wichtig wie das, was hineinkam, denn nass, getrocknet, zerkleinert und gesiebt ergab jeweils eine andere Oberfläche.


Eingebaut haben wir sie in ein 1:1-Mock-up eines typischen Gründerzeit-Dachbodens. Nichts davon ist ein neues System. Es sind bewährte Methoden, angepasst an den Überschuss von heute, kreislauffähig, emissionsarm und rückbaubar.

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Danke an Thomas Amann, der dieses Projekt initiiert und begleitet hat, an Bregt Hoppenbrouwers, Henri Uijtterhagen, Laurens Bekemans, Ken De Cooman und Julie Moraca von BC architects für ihre Anregungen und ihre Kritik, und an Wienerberger und Wiener Linien für die Unterstützung der Forschung. Die drei Fotos des fertigen Prototyps sind von Paul Sebesta.
The Act of Building, BC architects ↗ The Act of Building, Act 1 · Gebäudelehre TU Wien ↗ Wiener Untergrund als Baustoff, Baunetz Campus ↗ Act of Building, Prototyping Vienna · TU Wien ↗ Reallabor Prototyp · Gebäudelehre TU Wien ↗ Prototyping Vienna, @baunetz_campus auf Instagram ↗